Warum UX wichtig ist.

Posted 16 June 2018 by Sabrina Strebel

Warum User Experience (UX) so wichtig ist und Empathie nicht ausreicht.


Kennt ihr das? Man sieht eine wunderschöne Website oder eine tolle App, kann sie aber absolut nicht bedienen und findet gewisse Einstellungen nicht? Aus Neugier bleibt man vielleicht noch hängen, klickt etwas rum, aber dabei bleibt es auch. Ein zweiter Besuch wird es vermutlich nie geben oder die App wird deinstalliert. Zack – weg ist der potenzielle Kunde!

Zur Vereinfachung spreche ich nachfolgend nur von Webseiten. Die Vergleiche oder Erfahrungen treffen aber auf alle "Produkte" zu, bei welchen Personen interagieren müssen.

Ich sehe viele Webseiten und zwar schöne, keine Frage. Aber wenn ich diese besagten Seiten nicht bedienen kann oder Inhalte nicht finde, fängt unweigerlich mein rechtes Auge an zu zucken. Sofort macht sich in mir – vielleicht ein Vorurteil, vielleicht auch nicht – der Gedanke breit, dass mal wieder ein "schön-anzusehen-aber-nicht-zu-gebrauchen-Projekt" erstellt und veröffentlicht wurde. Einige Beispiele finde ich leider öfsters auch auf www.awwwards.com.


Da denkt man doch: "Hey auf awwwards kann es nur gutes Material geben, schliesslich verteilen die wirklich echte Awards und so" Ehm... nein... Nur weil ein "Winner" fancy Animationen verwendet, fullscreen Bilder platziert oder Webtrends 2017/2018 einsetzt, ist es noch lange keine Garantie für eine "gute" Webseite. Auch da fehlt bei Einigen eine gute User Experience.


Indes sprechen viele Agenturen immer mehr von User Experience, agilen Methoden oder Scrum. Moderne Software-Entwicklungsansätze würden somit eine vielversprechende Ausgangslage für nutzerorientierte Aktivitäten bieten. Die Praxis spricht leider eine andere Sprache. In vielen Projekten wird das User Interface von Entwicklern erstellt und von Designer mit schicken Animationen und Bildwelten verziert. Der Funktionsumfang wird von internen Abteilungen wie Marketing oder Produktmanagement definiert, anstatt die tatsächlich erwünschten Funktionen mit Kunden zu erarbeiten und an realen Nutzern zu testen. Nutzungsanforderungen werden in Meetings und Workshops erfunden, anstatt sie bei den Benutzern vor Ort zu erheben.

Nutzungsanforderungen werden in Meetings und Workshops erfunden, anstatt sie bei den Benutzern vor Ort zu erheben.

https://gph.is/2bf5ocL

Mal ehrlich, was nützt die schönste Webseite, wenn der User diese nicht verwenden kann und sich nicht angesprochen fühlt? All die Gedanken über Formen, Farben, Schriften und Bilder haben keinen Sinn, wenn der User bei der Entwicklung nich im Fokus stand. Dem Unternehmen bringt es herzlich wenig wenn ein potenzieller Kunde aus Ungeduld oder Langeweile wieder abspringt. Was nicht Nutzerfreundlich ist und kein Erlebnis bietet, wird auch wieder entfernt und vergessen.


Ich gehe auch nicht in einen Freizeitpark um dann nicht Achterbahn fahren zu können. Wozu sollte ich dann sonst in einen solchen Park gehen? Unternehmen oder Vorgesetzte lassen sich leicht von einem schönen Aussehen ablenken und wenn sie dann noch ihr "Fachwissen" über Design zum Besten geben, fängt der ganze Geschmacksverbesserungsprozess eines Projekts erst richtig an. Und der User? Richtig, den hat man vergessen und schon gar nicht in Betracht gezogen. Wieso auch? Die Seite sieht doch gut aus und der Auftraggeber weiss ja, wass richtig ist und was er will.

Ich gehe auch nicht in einen Freizeitpark um dann nicht Achterbahn fahren zu können. Wozu sollte ich dann sonst in einen solchen Park gehen?

An dieser Stelle frage ich mich immer: Wieso glaubt man, ohne Research zu wissen, was die User wollen und brauchen? Die Antwort darauf fällt leider zu oft gleich aus: Der Auftraggeber weiss was er will und deshalb ist es das Richtige, die gewollten Änderungen und Features wurden eingebaut, man hat es schon irgendwo mal gesehen etc. ABER: Das alles wieder spiegelt nicht die Realität und das Verständnis für die Zielgruppe fehlt komplett. Man selbst - Unternehmen, Organisation, CEO etc. - ist nicht der User. Um diese zu verstehen, muss man die User finden, mit ihnen reden und sie verstehen. Einfache Empathie reicht nicht aus.


Find your Users. Talk to them. Understand them.



Wie lässt sich das Problem also lösen? Zwei Begriffe - und lasst sie euch auf der Zunge zergehen: USER FOCUS / USER CENTRED DESIGN


Es reicht nicht mehr aus, nur ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen - Unternehmen müssen sich wirklich mit ihren Kunden auseinandersetzen. Immer wieder fällt mir auf, dass eine der grössten Barrieren, ein tolles Kundenerlebnis zu schaffen, der Mangel an internem Verständnis für UX ist. Also CEOs: Schreibt euch "User Focus" gleich in die Agenda und besucht einen UX Workshop oder veranstaltet Intern einen.

User-friendly design will be the driving force behind innovation and bussiness success.
User Centred Design Guide - Auch ein sehr guter Artikel




Bild © by Nick Tiemeyer, Quellen: Usability und UX kompakt von Michael Richter und Markus Flückiger

Post Comments

  • Laura P.

    Reply Jun 16, 2018 at 17:35

    Leider immer noch Standard in den meisten Firmen. Die Schweiz hinkt etwas hinterher. :D

  • Hannes

    Reply Jun 18, 2018 at 9:45

    Du sprichst mir aus der Seele!

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